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Pairing

Wein zu Schokolade: Banyuls, Amarone und warum Rotwein fast immer scheitert

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Dunkle Schokolade liegt auf dem Brett. 72 Prozent Kakao, fast schwarz, mit einem Glanz der auf gute Temperierung hinweist. Ein Glas Cabernet Sauvignon daneben. Die Kombination sieht stimmig aus. Sie ist es nicht.

Das Problem

Schokolade und Rotwein teilen sich ein chemisches Grundproblem: beide enthalten Polyphenole. Dunkle Schokolade bringt Theobromin, Flavonoide und eine ausgeprägte Bitterkeit. Ein tanninreicher Rotwein bringt Gallus- und Ellagtannine. Wenn Tannine auf Bitterkeit treffen, addieren sie sich nicht, sie multiplizieren sich. Das Ergebnis ist ein metallischer, adstringierender Geschmack, der weder nach Wein noch nach Schokolade schmeckt.

Das Prinzip dahinter ist einfach und unveränderlich: Wein muss mindestens so süss sein wie das, was er begleitet. Ein trockener Rotwein neben einer 70-Prozent-Schokolade wirkt dünn und bitter. Die Frucht verschwindet. Was bleibt, ist Tannin gegen Tannin, ein Paarung ohne Sieger.

Banyuls: Der Wein der Schokolade versteht

An der Côte Vermeille im südfranzösischen Roussillon, wo die Pyrenäen ins Mittelmeer fallen, wächst Grenache auf Schiefer in steilem Gelände. Die Ernte ist klein, die Arbeit hart, die Weinbereitung ungewöhnlich. Beim Banyuls wird der Gärprozess durch Zugabe von Weinalkohol unterbrochen. Restzucker bleibt im Wein. Das nennt sich Mutage, das Ergebnis ist ein Vin Doux Naturel mit 16 bis 18 Prozent Alkohol.

Banyuls altert oxidativ. Die Fässer stehen draussen in der Sonne, manchmal jahrelang. Dabei entwickelt der Wein nussige Noten, Kakao, getrocknete Feigen, einen Hauch Kaffee. Es ist kein Zufall, dass diese Aromen identisch sind mit dem, was dunkle Schokolade ausmacht. Restzucker und Bitterkeit von Grenache und Kakao finden eine gemeinsame Sprache. Der metallische Crash bleibt aus.

Banyuls Rimage, die ungealterter, fruchtigere Variante, passt zu Zartbitter zwischen 60 und 75 Prozent. Der klassische, oxidierte Banyuls hält auch dunkle Grand-Cru-Schokolade mit 85 Prozent aus.

Empfehlung: Banyuls Rimage oder Banyuls traditionnel
Warum: Restzucker puffert die Bittere, oxidative Nussigkeit spiegelt die Kakaoaromen.
Temperatur: 14 bis 16 Grad

Amarone: Die italienische Ausnahme

In der Valpolicella östlich von Verona stellten Bauern irgendwann fest, dass vergessene Trauben eine interessante Eigenschaft haben. Corvina, Rondinella und Molinara werden nach der Ernte auf Holzgittern ausgelegt, auf dem Solaio, dem Dachboden. Über Monate verlieren sie Wasser. Aus 100 Kilogramm frischer Trauben werden 35 Kilogramm konzentrierte, halb-getrocknete Beeren. Diese Appassimento genannte Methode wurde nicht erfunden, sie wurde entdeckt, durch Unachtsamkeit oder Notwendigkeit, das ist nicht überliefert.

Was dabei passiert: der Zuckergehalt konzentriert sich, der Tannin- und Säureanteil bleibt relativ stabil. Fermentiert man diese Trauben vollständig durch, entsteht ein trockener Wein mit 15 bis 17 Prozent Alkohol, intensivem Körper und einem Restsüsseeffekt der durch die Konzentration entsteht, ohne dass Zucker verbleibt. Die Tanninwahrnehmung wird durch Alkohol und Körper gedämpft. Ein Amarone della Valpolicella DOCG, gut gereift, mindestens acht Jahre im Keller, hat dieses Gleichgewicht. Er funktioniert zu dunkler Schokolade ab 70 Prozent, weil die Intensität auf beiden Seiten übereinstimmt.

Empfehlung: Amarone della Valpolicella DOCG, mindestens 8 Jahre gereift
Warum: Konzentrierte Appassimento-Trauben, Körper dämpft Tanninpräsenz, Intensität auf Augenhöhe mit 70%+ Schokolade.
Temperatur: 18 Grad

Milch und Weiss: andere Regeln

Milchschokolade enthält weniger Kakao, mehr Zucker und Milchfett. Das Bitterproblem entfällt. Hier kann ein leichter Pinot Noir aus dem Burgund funktionieren, nicht wegen des Tannins, sondern wegen der roten Frucht und der Seidigkeit. Gevrey-Chambertin wäre Verschwendung. Ein einfacher Bourgogne Rouge mit Kirsche und Erde passt besser als sein Ruf vermuten lässt. Gewürztraminer Vendanges Tardives aus dem Elsass ist die aromatischere Alternative: Rosenblüte, Litschi, kandierte Orange, alles was Milchschokolade ergänzt ohne sie zu überdecken.

Weisse Schokolade enthält keinen Kakaoanteil. Was bleibt, ist Kakaobutter, Zucker, Vanille. Sie ist kein Schokoladen-Problem, sie ist ein Süssungsproblem. Sauternes oder ein deutsches Eiswein treffen den richtigen Ton: Botrytis-Honig, Aprikose, Quittengelee. Süsse gegen Süsse, dieselbe Intensität, kein Verdrängungswettbewerb.

Milchschokolade: Pinot Noir Bourgogne Rouge oder Gewürztraminer Vendanges Tardives
Weisse Schokolade: Sauternes oder Eiswein (Riesling, Grauburgunder)
Grundregel: Wein mindestens so süss wie die Schokolade

Port und Schokolade

Rosé Port — Weisse Schokolade
White Port — Weisse Schokolade mit Matcha oder Kokosnuss
Ruby Port — Milchschokolade
Tawny Port — Karamell- oder Nussschokolade
Vintage Port — Dunkle Trüffel

Rosé Port: Weisse Schokolade

2008 brachte das Haus Croft einen Portwein auf den Markt, den niemand kannte: Rosé Port. Gekühlt serviert, fruchtig, mit Aromen von Erdbeeren, Himbeeren und Kirschen. Kein klassischer Port — und genau deshalb interessant.

Zur weissen Schokolade ist er der ideale Begleiter. Die Frucht des Weins trifft auf die Cremigkeit der Schokolade. Leicht, frisch, unbeschwert.

White Port: Weisse Schokolade mit Matcha oder Kokosnuss

White Port gibt es in zwei Stilen. Trocken und süss. Beide brauchen eine andere Schokolade.

Der trockene White Port ist frisch, zitrusig, mit einem Hauch Mandel. Dazu weisse Schokolade mit Matcha. Die Bitterkeit des Matchas und die Frische des Weins halten sich gegenseitig in Schach. Keine Schwere. Nur Spannung.

Der süsse White Port riecht nach Honig und Blumen, manchmal nach etwas Tropischem. Weisse Schokolade mit Kokosnuss. Alles zeigt in dieselbe Richtung — und genau das ist der Punkt. Derselbe Wein. Fast nicht wiederzuerkennen.

Ruby Port: Milchschokolade

Ruby Port ist jung, rubinrot, mit frischen Beerennoten und einer lebendigen Gaumenpräsenz. Kein Holz, keine Schwere. Was er bringt: Frucht, Süsse, Direktheit.

Milchschokolade ist die natürliche Wahl. Wer es intensiver mag: eine dunkle Schokolade mit Trockenfrüchten. Die konzentrierten Fruchtaromen und die Beerennoten des Weins verstärken sich gegenseitig.

Tawny Port: Karamell- und Nussschokolade

Tawny Port ist das Gegenteil des Ruby. Jahre in kleinen Holzfässern, Sauerstoffkontakt, langsame Reife. Was entsteht: Karamell, Nüsse, Trockenfrüchte, Butterscotch. Je älter der Tawny, desto komplexer das Spiel.

Zur Karamell- oder Nussschokolade ist er die logische Wahl. Der Wein hat dieselben Noten wie die Schokolade. Schmelz trifft Schmelz. Süsse trifft Süsse. Wer es aktuell mag: die Dubai-Schokolade mit Kadayif und Pistazie. Die Nussnoten treffen den Tawny auf Anhieb.

Vintage Port: Dunkle Trüffel

Vintage Port ist die Königsklasse. Nur in den besten Jahren produziert, drei- bis viermal pro Jahrzehnt, drei Prozent der gesamten Portweinproduktion. Nach der Ernte abgefüllt und dann allein gelassen — zehn, zwanzig, manchmal fünfzig Jahre in der Flasche.

Der klassische Begleiter: ein dunkler Lindt-Trüffel. Die Intensität des Weins braucht die Intensität der Schokolade. Nichts Leichtes, nichts Cremiges. Nur Tiefe trifft Tiefe.

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